Brasilianische Austauschschüler aus Sao Paulo ziehen erste Bilanz

Von Ute Bautsch-Ludolfs


Bad Bevensen. „Sejam bem-vindos“, steht auf dem Plakat, dass Frieda, Svenja, Annika, Milena und Lena nochmals ausgerollt und hochgehoben haben. Das erste Mal wurde es auf dem Hamburger Flughafen gehisst, als die Schülerinnen der Fritz-Reuter-Schüler (KGS) ihre brasilianischen Austauschschüler herzlich Willkommen hießen.  Dass war kurz vor Weihnachten und inzwischen ist die Halbzeit ihres Aufenthalts hier schon überschritten. Es ist Vertrautheit da und keine Scheu mehr für die 15-16 Jahre alten Schüler aus Sao Paula deutsch zu sprechen. Zeit für eine kleine, gemeinsame Zwischenbilanz zusammen mit Andreas Steiner, der die Schüler betreut.
Einen ganz tiefen Eindruck hat für Luiza, Mariana, Bruno, Camila und Joao der Schnee hinterlassen.
„Den gibt es bei uns nicht“ erklärt Luiza „und solche Kälte schon gar nicht.“ Bei ihnen zu Hause ist es jetzt um 30 Grad warm und wenn es bei ihnen kalt ist, sprechen sie von 15 Grad plus. Kein Wunder, dass sie hier erste Erfahrungen mit Schlittschuhlaufen, Skilaufen und Schlittenfahren machen.
„Große Unterschiede gibt es im Vergleich unserer Schulen“, hat eine deutsche Schülerin schon heraus gefunden. Zur Schule dort, der privaten Visconde de porto segura, gehen 12000 Schüler, zur KGS an die 1800. Dort beginnt der Unterricht morgens um 7 Uhr, hier um 8 Uhr. Die Schüler dort gehen entweder vormittags oder nachmittags zur Schule, hier ganztags. Dort wird Schuluniform getragen, hier nicht. Die Schulfächer Politik und Religion gibt es dort nicht, Kunst und Musik auch nur bis zur 6. Klasse. Der Sportunterricht ist nach Geschlechtern getrennt. „Wir haben auch ein Schwimmbad“, fügt Bruno an. „An Sprachen haben wir Englisch, Deutsch, Spanisch und Portugiesisch.“ Einige der Gäste haben bereits 7 Jahre Deutschunterricht und die Verständigung miteinander klappt prima.
Wie gefällt es Euch hier? Blöde Frage, man weiß doch, dass nur mit einem Wort geantwortet wird, nämlich „gut“ und man muss konkreter werden. Beispielsweise das Essen. Vermisst ihr was? „Ja, Bohnen und Reis!“ Und das Besichtigungsprogramm? „Wir waren in Lüneburg, Hamburg, Hannover, im Harz und am Watt, jetzt stehen noch Berlin und Bremen an“, wird kurz aufgelistet. Dort wird sicher auch mal ein bisschen Zeit zum Shoppen sein, „denn hier in Deutschland ist vieles preiswerter, Taschen und Klamotten beispielsweise“, heißt es da seitens der brasilianischen Damen.
Beeindruckend sei für sie auch das Weihnachtsfest und Silvester gewesen. „Bei uns wird Silvester groß gefeiert und wir haben schwarz-weißes Zeug an, Weihnachten wird nicht in dem Stil verbracht und wir haben auch nur einen Plastikbaum“ erklärt Joäo.
Seitens der brasilianischen Schule aus Sao Paulo, der drittgrößten Stadt der Welt, sind derzeit 150 Schüler auf Besuch in Deutschland und in unterschiedliche Regionen und Städte verteilt. Dann und wann ein Austausch besteht schon über Jahre. Die deutschen Schüler freuen sich jetzt schon auf den Gegenbesuch vom 13. Juni bis zum 2. August.

Foto: Bautsch-Ludolfs
deutsche und brasilianische Schüler zusammen mit Lehrer Andreas Steiner