Von Ute Bautsch-Ludolfs


Bad Bevensen. Die Osterferien sind gerade zu Ende und die Schüler der Fritz-Reuter-Schule (KGS) hatten am Donnerstag schon wieder frei. Die Lehrer hingegen hatten einen intensiven Schultag und bildeten sich zum Thema „Die inklusive Schule“ und insbesondere „Inklusiver Unterricht“ fort. Der didaktische Leiter Sebastian Gutheil konnte als fachkundigen Referenten  Prof. Hans Wocken begrüßen. Der emeritierte Professor für Lernbehindertenpädagogik und Integrationspädagogik an der Uni Hamburg gilt als einer der renommiertesten Inklusionsforscher und –pädagoge auf diesem
Gebiet.
Natürlich ging es um Motive, Begriffe, Pädagogik und Bildungspolitik . Gründe für Inklusion waren klar aufgelistet, als Aufgabe aller Erziehung, Gebot der Chancengleichheit, förderliches Entwicklungsmilieu, Gesundheitsförderung von Kindern, garantierte Wohnortnähe, Integration und mehr.
Mit inklusiver Schule ist die KGS vertraut, hat sogar den „Jakob-Muth-Preis für inklusive Schule“ bekommen, doch  die Frage, was genau ein inklusiver Lehrer macht stand unausgesprochen im Raum. Eines stellte Prof. Wocken gleich klar: „Um inklusiven Unterricht zu machen ist ein richtiges Verständnis wichtig, man muss den Kopf dafür haben.“ Früher wurden die Schüler als  gleich gesehen, ob hochbegabt, Migrant, Legastheniker und weiteres, es gab den gleichen Unterricht im gleichen Raum mit gleichem Tempo. „In der alten Landschule, in der ein Lehrer   Klasse 1 bis 8 hatte, wandelte sich der direkte frontale Unterricht face-to-face in indirekten Unterricht, und Klassen wurden seiner unmittelbaren Führung entlassen,  der Lehrer sich einer anderen Klasse zuwenden konnte“. Jetzt ist auf dem Weg zur integrierten Schule ein  Unterricht angesagt, mit einem Mix aus direktem, indirektem und kooperativen Unterricht
In sieben Bereichen untergliedert, zeigte Prof. Wocken den Lehrkräften auf, was sich dem  „indirekten Lehrer“ empfiehlt, welche Unterrichtsmittel angesagt sind, beispielhaft ergänzt durch Filmausschnitte solchen Unterrichts und durch Beispiele aus Bildungssystemen anderer  Länder. Ob Aufgaben und Aufträge, Rituale, Lernhilfen- und strategien bis hin zu Lernräumen und Lernumgebungen. Ganz klar: „Ein Lehrer kann von vorne aus nicht  Individualisieren. Inklusion heißt Miteinander, Voneinander und Durcheinander.“ Hinsichtlich der Lernformen verdeutlichte er vor allem das kooperative Lernen, den „Königsweg des inklusiven Lernens“. Und dann ging es für die Lehrer gleich ans praktische Üben und Umsetzen und in Workshops wurden die Lehrer gemeinsam zu Schülern.
Schlussendlich zitierte Prof. Wocken eines namhaften Pädagogen: „Ziel unserer Didaktik ist die `Unterrichtsweise, bei welcher die Lehrer weniger zu lehren brauchen, die Schüler dennoch mehr lernen.“ Was der Lehrer tun sollte stellte schon Jakob Muth fest: „Der Lehrer muss dazu seine pädagogische und didaktische Aggressivität aufgeben, die sich darin äußert, dass er ständig fragt, belehrt, fordert, diktiert, korrigiert, an die Tafel schreibt, bittet, befiehlt, vorträgt, usw …“

Fotos: Bautsch-Ludolfs

Prof. Wocken